Geschichte

Gorodki ist ein uraltes Spiel. Noch bevor die Menschheit das Rad und den Ball erfunden hatte, wurde in der damals knappen arbeitsfeien Zeit dieses Spiel gespielt. In der jüngsten Vergangenheit hat sich aus diesem Spiel in verschiedenen Ländern eine Sportart entwickelt.

Die ältesten offiziellen Dokumente, in denen das Spiel Gorodki erwähnt wird, stammen aus dem frühen 19. Jahrhundert. Im Jahr 1805 erschien in Leipzig ein kleines Album namens „Spiele und Belustigungen der Russen aus den unteren Bevölkerungsschichten“ und im Jahr 1812 in Paris das große zweibändige Album „Die Völker Russlands“, in denen gemalte Illustrationen verschiedener russischer Volksspiele wie beispielsweise das Spiel Gorodki abgebildet war.

"Das Gorodki-Spiel ", 1812.
ravure von E. Korneew. Eremitage, Sankt-Petersburg.
Schriftsteller Lev Tolstoi beim Gorodki-Spiel
in seinem Landgut Jasnaja Poljana

In den 50 bis 70 Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde in der Sowjetunion fast jedes Stadion, Kurhaus und jeder Park für Kultur und Erholung mit einer Gorodki-Anlage ausgerüstet. Es wurden land- und unionsweite Wettkämpfe durchgeführt. Nach Fußball war in jenen Zeiten Gorodki die zweitpopulärste Sportart in Russland, Weißrussland und der Ukraine. Das Sportspiel Gorodki  bzw. verwandte Zielwurfspiele mit Holzstäben waren auch über das Gebiet der ehemaligen Sowjetunion hinaus vor allem in Schweden und Finnland bekannt.

Gorodki kam nach dieser Blütezeit in Osteuropa aus der Mode und geriet vielerorts in Vergessenheit. Doch nicht zuletzt durch die Entwicklung des Gorodki Sports in Deutschland wird im Rahmen internationalen Austauschs das Spiel derzeit wieder populärer.

In Deutschland wurde das alte osteuropäische Spiel zuerst in Karlsruhe aufgegriffen. Die erste Gorodki-Anlage wurde von jungen Spätaussiedlern aus Russland mit der Unterstützung des Stadtjugendausschusses e.V. Karlsruhe sowie des Sport- und Bäderamts der Stadt Karlsruhe gebaut und am 19.10.2001 vom damaligen Karlsruher Bürgermeister Harald Denecken feierlich eröffnet.

In Karlsruhe wurde die „fremde Sportart“ Gorodki nicht nur in Deutschland eingeführt, sondern auch maßgeblich weiterentwickelt. Die Spielregeln wurden an eine moderne und neue Spielweise der Sportart angepasst. Darüber hinaus wurden im Rahmen von Jugendprojekten die Spielmaterialien weiterentwickelt. Der Erfolg dieser Arbeit zeigte sich darin, dass 2002 in Russland erstmals ein Gorodki-Turnier mit den in Karlsruhe entwickelten Kunststoffschlägern (Euro-GORODKI) ausgetragen wurde.