Die Gorodki-Freunde können aufatmen

Derzeit entsteht beim Boule-Club Friedrichshafen eine neue Spielanlage – Ex-Weltmeister schaut vorbei. 

FRIEDRICHSHAFEN - Derzeit entsteht auf dem Gelände des Boule-Clubs Friedrichshafen im Fallenbrunnen eine Gorodki-Anlage, die bereits zur Hälfte fertiggestellt und teilweise bespielbar ist. Hiervon konnte sich der weißrussische Ex-Weltmeister Alexander Kulak überzeugen: Er hat der Häfler Wurfspielgruppe einen kleinen Trainingsbesuch abgestattet. Knapp 40 Mitglieder waren am Dienstagabend erschienen, um sich vor Ort über den Baufortschritt zu erkundigen. „Wir wollten das Gelände erhalten und für Gorodki eine Pilotanlage errichten“, sagte Clubvorsitzende Renate Tassin in ihren Begrüßungsworten. Vor einem Jahr hatten die Arbeiten begonnen, eine Firma wurde mit der Ausführung beauftragt. Ende des Monats sollen die Arbeiten weitergehen. Rund 15.000 Euro wird die Gorodki-Anlage nach ihrer Fertigstellung im Herbst kosten. Sie soll turnierfähig sein, damit auf ihr künftig Turniere größeren Ausmaßes abgehalten werden können. Stadt (über die Sportförderung), Landessportverband und WLSB bezuschussen das Vorhaben mit 12.000 Euro, die restlichen Ausgaben werden aus Mitteln des Boule-Clubs bestritten. Pünktlich zur Eröffnung der ersten Spielbahnen passte es prima, dass Alexander Kulak auf seiner Rundreise durch die deutschen Lande gerade Zwischenstation in Friedrichshafen machte. Kulak, 2002 Weltmeister in Gorodki, sucht derzeit Spielorte in Schwerin, Kiel, Tuttlingen, Berlin und anderen Städten auf, um die Kunst des Wurfspiels näherzubringen. Der Weißrusse zeigte sich recht angetan von der entstehenden Anlage im Fallenbrunnen und ließ es sich nicht nehmen, nach einer kurzen Ansprache gemeinsam mit einer Begleiterin sein Können unter Beweis zu stellen.
Mehrere Dutzend Spieler üben seit mehreren Jahren in Friedrichshafen Gorodki. Neben den Verantwortlichen des Boule-Clubs hat vor allem Elvira Müller großen Anteil daran, dass sie jetzt eine sportliche Heimat gefunden haben. Jahrelang war die Vorsitzende des Freundeskreises Polozk, zusammen mit Heiko Gottwald vom Schul- und Sportamt, im Stadtgebiet auf der Suche nach einem hierfür geeigneten Standort. Doch weder an der Pestalozzi-Schule noch bei den Sportfreunden Friedrichshafen konnten die überwiegend russischstämmigen Gorodki-Freunde so recht Fuß fassen. Nun hat es endlich geklappt – für Renate Tassin ein treffendes Beispiel für gelebte Integration.
Gorodki als Wurfspiel mit russischen Wurzeln passt nahezu ideal in die Historie des Boule-Geländes im Fallenbrunnen: Lange frönten dort Soldaten der französischen Besatzungsmacht ihrer Leidenschaft, seit 1978 existierte ein Verein, mehr und mehr fanden auch Einheimische Gefallen an der Sportart. Mit einem Sonderausweis konnten sie sich in den 1980er-Jahren Zugang zur Trainingsanlage verschaffen, die sich im nördlichen Teils des ehemaligen Kasernengeländes befindet. 1992 wurde schließlich der Boule-Club Friedrichshafen aus der Taufe gehoben, der aktuell rund 80 Mitglieder umfasst.
Von Peter Schlefsky, Schwäbisch Zeitung vom 10.07.2015