Entwicklungshilfe aus Russland

Deutschland ist ein hoch entwickeltes Land, das es sich leisten kann, andere Länder bei deren Entwicklung zu unterstützen. Das gilt auch für den Sport. Es gibt aber auch Sportarten, in denen Deutschland ein Entwicklungsland ist. Dazu gehören das Sportspiel Gorodki und die Ringkampfsportart Sambo. Beides Importe aus der ehemaligen Sowjetunion.
Beide Sportarten werden seit einiger Zeit vom Programm „Integration durch Sport“ des Landessportverbandes Baden-Württemberg (LSV) als Methode zur Integrationsarbeit eingesetzt. Allerdings fehlt es noch an qualifizierten Trainern. So dachten sich die Beteiligten, was in die eine Richtung funktioniert, funktioniert sicher auch in die andere Richtung. Diesmal nahmen die Deutschen Entwicklungshilfe aus Russland in Anspruch. So reiste im Rahmen eines Internationalen Fachkräfteaustauschs, gefördert von der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch (DRJA), von 18. bis 26. Mai 2013 eine Trainerdelegation der staatlichen Kinder- und Jugendsportschule „Russ“ (KiSS) und Fachkräfte des Sportinstitutes der staatlichen Polytechnischen Universität aus dem sibirischen Tomsk nach Baden-Württemberg. Ziel der Mission: sportpraktische Schulung deutscher Gorodki- und Sambotrainer. Im Gegenzug gaben beispielsweise der Präsident und der Hauptgeschäftsführer des LSV, Dieter Schmid-Volkmar und Ulrich Derad bei einem Empfang auf der LSV-Geschäftsstelle einen ersten Überblick über die Vereins- und Verbandslandschaft in Baden-Württemberg. Bereits bei der offiziellen Begrüßung am 18. Mai im Schwäbisch Gmünder Prediger würdigte der Bürgermeister Dr. Joachim Bläse die wichtige gesellschaftliche Leistung der deutschen Sportvereine. Dabei ging er auch auf den TSB Schwäbisch Gmünd ein, auf dessen Einladung hin die russischen Fachkräfte nach Deutschland gekommen waren. In weiteren Fachgesprächen am Sportinstitut des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport wurden den russischen Gästen weitere Details über die deutschen Sportstrukturen vermittelt.
 Bilder LSV BW
„Nicht nur das Internationale Deutsche Turnfest sondern auch die tatkräftige ehrenamtliche Unterstützung in den Vereinen, die wir kennenlernen durften, haben uns die Potentiale und Stärken der deutschen Vereinskultur deutlich gemacht“, fasste Vitali Gorbatych Leiter der KiSS „Russ“ seine Eindrücke nach dem zehntägigen Austausch zusammen.
Eine wichtige Station der Reise stellte das Internationale Deutsche Turnfest (IDTF) in Mannheim dar. Dort erlebte die russische Delegation nicht nur die breite sportliche Basis der deutschen Sportbewegung live mit, sie nahm auch aktiv an der weltweit größten Breitensportveranstaltung teil. Valerija Martakova, amtierende Jugendeuropameisterin, präsentierte einem breiten Publikum auf der zentralen Veranstaltungsbühne am Wasserturm die Sportart Sambo. Gleich nebenan vermittelten Weltmeister Vladimir Sinkow und sein Vize Sergej Blochin den Turnfestbesuchern die Sportart Gorodki.
Die weiteren sportpraktischen Aktivitäten beinhalteten einen ganztägigen Trainingsworkshops mit dem Württembergischen Samboverband in Heidenheim und Gorodkitrainingseinheiten in Schwäbisch Gmünd, Karlsruhe und Reutlingen.
Im August 2013 wird der Austausch, der letztes Jahr mit einem Besuch in Tomsk begann, fortgesetzt. Eine Jugenddelegation des TSB Schwäbisch Gmünd und der SG Reutlingen werden in die sibirische Stadt reisen, um sich mit ihren Altersgenossen der KiSS „Russ“ auszutauschen und die bestehenden Kontakte weiter vertiefen.